n2n
Demo anfragen
Alle Insights
6 Min. Lesezeit

Stundenweise Verrechnung: 6 Monate Transformation und ihre Auswirkungen auf den türkischen Energiemarkt

Die neue stundenweise Verrechnungsverordnung der EPDK (Türkische Energiemarkt-Regulierungsbehörde) hat die Spielregeln auf dem türkischen Energiemarkt, insbesondere für Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien, grundlegend verändert. Diese Regelung macht die stundenweise Bilanzierung und Investitionen in Speichersysteme entscheidend.

Endüstriyel enerji ekosistemi: güneş panelli fabrika, batarya depolama ve trafo merkezi.

Die letzten sechs Monate waren Zeuge einer bedeutenden Transformation auf dem türkischen Energiemarkt. Die von der EPDK im Jahr 2026 eingeführte stundenweise Verrechnungsverordnung hat die Spielregeln neu geschrieben, insbesondere für Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugen und verbrauchen. Wir beobachten vor Ort, dass diese Änderung nicht nur ein technisches Detail ist, sondern ein breites Spektrum von Investitionsmodellen bis hin zu operativen Strategien beeinflusst. Während sich die anfängliche Wolke der Unsicherheit lichtet, können wir nun klarer erkennen, wer welche Chancen ergriffen oder welchen Herausforderungen begegnet ist.

Diese Verordnung hat im Wesentlichen die finanziellen Auswirkungen der Prozesse, bei denen überschüssiger Strom ins Netz eingespeist und fehlender Strom aus dem Netz entnommen wird, direkt beeinflusst, indem die Bilanzierung von Stromerzeugung und -verbrauch von einer monatlichen auf eine stündliche Basis umgestellt wurde. Die früher am Monatsende über einen einzigen Nettowert erfolgte Berechnung basiert nun stündlich auf Echtzeit-Produktions- und Verbrauchsdaten. Diese Situation hat einen völlig neuen Optimierungsbedarf geschaffen, insbesondere für Anlagen, die ein Eigenverbrauchsmodell verfolgen, und für diejenigen, die über Investitionen in Speichersysteme nachdenken.

Für PV-Anlagenbetreiber: Wie sich die Monatsrechnung jetzt gestaltet

Für Betreiber von Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen, im Original GES) ist die stundenweise Verrechnung zu einem kritischen Parameter geworden, der ihre Betriebswirtschaft direkt beeinflusst. Früher wurde überschüssiger Strom, der tagsüber, z.B. mittags, erzeugt wurde, mit dem höheren Verbrauch am Abend verrechnet und als Einnahme zum Einheitspreis verbucht. Mit der neuen Verordnung hat sich dies geändert: Produktion und Verbrauch werden für jede Stunde abgeglichen. Der abgeglichene Teil wird als tatsächliche Verrechnung unter dem Zähler verbucht (es erfolgt keine Bepreisung). Der Überschuss, der in Stunden mit mehr Produktion als Verbrauch entsteht, wird für den Teil, der dem jährlichen Verbrauch entspricht, zum niedrigsten Einzeltarif für aktive Energie der jeweiligen Abonnentengruppe gekauft. Für den Teil, der den jährlichen Verbrauch übersteigt, wird derselbe Tarif angewendet, jedoch werden in diesem Fall die Systemnutzungsgebühren dem Erzeuger auferlegt. Energie, die in Stunden mit mehr Verbrauch als Produktion bezogen wird, wird gemäß dem aktiven Energietarif der Abonnentengruppe + Verteilungsgebühr + (falls zutreffend) Leistungsgebühr + Blindarbeitsgebühr in Rechnung gestellt.

Diese Änderung ist besonders wichtig für Haushalte oder kleine Gewerbebetriebe, die eine PV-Anlage auf ihrem Dach installiert haben. Zuvor konnte ein Ausgleich erzielt werden, indem tagsüber erzeugte überschüssige Energie nachts verbraucht wurde. Nun wird der tagsüber, insbesondere mittags, entstehende Produktionsüberschuss nicht mehr direkt mit dem Nachtverbrauch verrechnet. Diese Situation erfordert einen dynamischeren Ansatz für die Echtzeitverwaltung des Eigenverbrauchsanteils und die Maximierung potenzieller Netzeinspeiseerlöse. Die monatliche Rechnung einer kleinen Dach-PV-Anlage reagiert nun viel empfindlicher auf das stündliche Produktions- und Verbrauchsprofil. Zum Beispiel könnte für einen typischen 10 kWp Dach-PV-Anlagenbetreiber die Eigenverbrauchsquote, die vor der Verordnung bei 70 % lag, ohne Echtzeitmanagement auf 55-60 % sinken, während die Einnahmen aus der ins Netz eingespeisten Energie möglicherweise nicht die erwartete Rendite erreichen.

Stuendliche Nettoverrechnung vor und nach: Vergleichsdiagramm typischer Anlagenprofile

Für C&I-Anlagen (Eigenverbrauchs-orientiert): Warum Speicherinvestitionen entscheidend wurden

Für Industrie- und Gewerbeanlagen (C&I), d.h. eigenverbrauchs-orientierte Strukturen wie Fabriken, Einkaufszentren und große Bürogebäude, hat die stundenweise Verrechnung Speichersysteme (BESS – Batterie-Energiespeichersysteme) quasi zu einem obligatorischen Investitionsinstrument gemacht. Diese Anlagen weisen in der Regel ein hohes und variables Stromverbrauchsprofil auf. Während sie tagsüber mit ihren auf Dächern oder Grundstücken installierten PV-Anlagen (im Original GES) einen Produktionsüberschuss erzielen können, benötigen sie abends oder nachts Strom aus dem Netz.

Vor der neuen Verordnung konnten diese Ungleichgewichte dank der monatlichen Verrechnung am Monatsende flexibler gehandhabt werden. Mit der stundenweisen Verrechnung ist jedoch die Bilanz in jeder Stunde entscheidend geworden. Eine C&I-Anlage, die mittags 500 kWh überschüssigen Strom aus ihrer PV-Anlage (im Original GES) erzeugt und ins Netz einspeist, konnte dies mit dem Bedarf von 300 kWh, den sie abends aus dem Netz beziehen musste, verrechnen. Im stundenweisen Regime kann sie diese beiden Vorgänge nicht mehr verrechnen, wodurch sie sowohl ihre bezahlte Produktionsgrenze schneller erreicht als auch Systemnutzungsgebühren für die 300 kWh, die sie abends bezieht, zahlen muss. Diese Situation führt zu finanziellen Verlusten.

Genau hier kommt BESS ins Spiel. Ein Energiespeichersystem kann den tagsüber erzeugten überschüssigen Strom speichern und den Verbrauchsmangel in den Abend- oder Nachtstunden aus eigener Kraft decken. Dadurch vermeidet die Anlage sowohl den Verkauf von Strom zum niedrigen Preis an das Netz als auch den Bezug von Strom zu hohen Preisen. Diese Strategie maximiert die Eigenverbrauchsquote der Anlage und optimiert gleichzeitig die Energiekosten. Zum Beispiel kann eine typische Produktionsanlage mit einer Investition in eine 2 MWp PV-Anlage (im Original GES) und ein 1 MWh BESS ihre Eigenverbrauchsquote von 75 % auf 90 % erhöhen. Dies kann eine Einsparung von 15-20 % auf der monatlichen Stromrechnung bedeuten. Der folgende Vergleich zeigt deutlich das finanzielle Profil einer typischen C&I-Anlage vor und nach der stundenweisen Verrechnung sowie die Auswirkungen der BESS-Integration.

Chancen und Risiken für BESS-Investoren und Speicherbetreiber

Für Investoren in Energiespeichersysteme (BESS) oder Betreiber dieser Systeme hat die stundenweise Verrechnungsverordnung neue Geschäftsmodelle eröffnet. Während zuvor Bereiche wie Ausgleichsdienstleistungen oder der Kapazitätsmarkt im Vordergrund standen, ist nun die direkte Eigenverbrauchsoptimierung wichtig geworden. Speicherbetreiber können, insbesondere durch die Zusammenarbeit mit großen C&I-Anlagen oder Portfolios mit mehreren PV-Anlagen (im Original GES), stündliche Produktions- und Verbrauchsungleichgewichte steuern.

Wären die Preise nicht auf Basis der monatlichen Festtariftabellen der EPDK, sondern über PTF (Market Clearing Price) und PSF (System Marginal Price) berechnet worden, hätten sich auch Arbitragemöglichkeiten ergeben können. Die Tatsache, dass diese Preisgestaltung nicht ausreicht, um die Speicherkosten (Investition, Betrieb, Effizienzverluste) zu decken, macht Risikomanagement und präzise Preisschätzungsalgorithmen entscheidend. Darüber hinaus erfordern die Netzrestriktionen und Änderungen in den Ausgleichsmechanismen von TEİAŞ (Türkische Stromübertragungsgesellschaft) von BESS-Investoren, ihre Strategien kontinuierlich zu überprüfen. Die relevanten Artikel der EPDK-Verordnung über Speichereinrichtungen und die Marktbetriebsregeln prägen weiterhin die Risiken und Chancen in diesem Bereich. Prognosen zufolge wird ein erheblicher Teil der über 5 GW Speicherkapazität, die in den nächsten 3 Jahren in der Türkei in Betrieb genommen werden soll, sich an diesen neuen Marktdynamiken orientieren.

Ingenieur- und Softwareebene: Der Aufstieg intelligenter Managementsysteme

Die stundenweise Verrechnungsverordnung hat die Bedeutung von Energiemanagementsystemen (EMS) und Managementsystemen für dezentrale Energieressourcen (DERMS) um ein Vielfaches erhöht. Es reicht nicht mehr aus, dass eine PV-Anlage (im Original GES) oder ein Hybridsystem nur technisch funktioniert; sie muss auch wirtschaftlich optimiert werden. An diesem Punkt werden intelligente Softwarelösungen mit Fähigkeiten zur Datenerfassung, -analyse, -prognose und Entscheidungsfindung unverzichtbar.

Auf der Ingenieurseite ist es eine große Herausforderung, Echtzeit-Datenströme von den SCADA-Systemen (Prozessleitsysteme) der Anlagen zu gewährleisten, diese Daten zu verarbeiten und zukünftige Produktions- und Verbrauchsprofile genau vorherzusagen. Die Integration vieler Variablen wie Wetterdaten, vergangener Verbrauchsgewohnheiten und Marktpreise zur Bestimmung der optimalen Strategie, wann ein BESS geladen und entladen werden soll, erfordert fortschrittliche Algorithmen. Algorithmenbasierte Plattformen wie E-Hub liefern durch diese komplexen Berechnungen Echtzeitentscheidungen für Anlagenbetreiber oder automatische Steuerungssysteme.

Auf der Softwareebene reagieren Produkte wie N2N's Pulsar (C&I DERMS) und Quasar (Utility Grid) auf die Anforderungen dieser neuen Ära. Diese Systeme überwachen nicht nur den Energiefluss, sondern optimieren auch automatisch die Lade-/Entladezyklen des BESS, indem sie Marktpreise und Anlagenbedürfnisse mit maschinellem Lernen basierten Prognosemodellen vorhersagen. Zum Beispiel können unsere Pulsar Edge Geräte Echtzeitdaten auf Feldebene verarbeiten und die ins Netz einzuspeisende Energie oder die Speicherkapazität auf die effizienteste Weise verwalten. Dies reduziert den Bedarf an manuellen Eingriffen der Ingenieurteams und verbessert die finanzielle Leistung der Anlage. Diese neue Dynamik, die durch die stundenweise Verrechnung entstanden ist, hat die Energietechnik und Softwareentwicklung erneut in einem kritischen Bereich zusammengeführt.

Die kommende Periode und Ausblick

Die stundenweise Verrechnungsverordnung ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg des türkischen Energiemarktes zu einer transparenteren, dynamischeren und effizienteren Struktur. Die vergangenen sechs Monate haben gezeigt, dass der Anpassungsprozess schnell voranschreitet und der Bedarf an intelligenten Energiemanagementlösungen steigt. Wir gehen davon aus, dass sich die durch diese Verordnung ausgelöste Transformation in der kommenden Periode weiter vertiefen wird.

Für PV- (im Original GES) und BESS-Investoren, C&I-Anlagen und Energieingenieure erfordert dieses neue Gleichgewicht kontinuierliches Lernen und Anpassung. Wer sich einen Wettbewerbsvorteil auf dem Markt sichern möchte, muss nicht nur in Hardware, sondern auch in intelligente Software und Algorithmen investieren, die diese Hardware am effizientesten verwalten. Die „Mathematik“ des Energiemarktes ist nun komplexer, und diejenigen, die diese Mathematik richtig lesen können, werden im Energieökosystem der Zukunft führend sein. In dieser Zeit ist es für Sie als PV-Anlagenbetreiber ratsam, sich die folgenden drei Fragen zu stellen: Welche Schritte unternehme ich, um meine Eigenverbrauchsquote in Echtzeit zu maximieren? Wie kann ich die Amortisation meiner Speicherinvestition beschleunigen? Und am wichtigsten: Habe ich eine intelligente Softwarelösung, die diese komplexe Gleichung für mich verwaltet?